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No, you can't always get what you want, you can't always get what you want, you can't always get what you want, but if you try sometime you'll find, you get what you need

Crossing the sea by any means, THE GAME of reaching England

Crossing the sea by any means, THE GAME of reaching England

Dieser Blog hat keine politische Meinung. Er dient lediglich zur Information über aktuelle Themen in der Welt, aufgrund deren man sich dann eine Meinung bilden kann. Ich versuche ihn so neutral wie möglich zu halten.

27. September 2022, Matthias Eisenbeis

Dieser Block hat eine politische Meinung, und ich möchte ihn sinngemäß mit einem Zitat von Mahatma Ghandi beginnen: „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

„Ihr sorgt dafür, dass wir Arbeit haben. Wenn ihr euch so verhaltet, verdiene ich nur noch mehr. Ihr schließt eure Grenzen und investiert nur in Abwehr. Ihr habt Frontex? Das alles bringt mehr Geld für mich, für meine Organisation, für mein Netzwerk“

Kopf eines Schleppernetzwerks

In der deutschen Presse wird kaum etwas davon berichtet, was jeden Tag mitten in Europa, drei Autostunden entfernt von Paris und zwei Stunden vom europäischen Parlament in Brüssel passiert. Tausende Flüchtlinge, die neben den Bahngleisen im Gebüsch schlafen, teilweise ohne Zelt, ohne Schlafsack. Und von der Polizei jeden Tag zu einem anderen Platz vertrieben werden, die ihre Zelte und Schlafsäcke und privaten Gegenstände beschlagnahmen, wenn sie innerhalb ein paar Stunden nicht vor Ort sind, nur damit das selbe Spiel am nächsten Tag von vorne beginnt. Und das aus einem einzigen Grund: Abschreckung. Es soll schlimm sein.

Bevor ich vor zwei Wochen in Calais angekommen bin, hatte ich keine Ahnung, was dort abgeht. Und hier in Deutschland habe ich von dem Thema nie etwas mitbekommen. Das einzige was hier in letzter Zeit wichtig war, dass wir weiterhin unsere 20 Grad Raumtemperatur im Winter beibehalten ohne auf den Mallorca-Urlaub im Sommer zu verzichten.

Ist ja auch in Ordnung, sich diese Fragen zu stellen, jedoch sollte über die Situation der Geflüchteten berichtet werden, denn:

Nur wer klar sehen kann, hat die Möglichkeit diese Welt zu einem besseren Ort zu machen“

Erich Fromm, Psychonanalytiker und Philosoph

Mit meinem Blog möchte ich über Ereignisse und Situationen berichten, für die wir eine Lösung finden sollten, die so menschenwürdig wie möglich ist.

Und dafür ist es manchmal wichtig, sie von weiter weg zu betrachten. Denn wie in dem Zitat des Drahtziehers eines Schleppernetzwerks dargelegt: mit Abschottung und Kriminlaisierung machen wir die Lage – genau gleich wie in der Drogenpolitik – nur noch schlimmer.

Hier ein paar Artikel, die auch an mir vorbei gegangen sind.

Und um sich direkt die Fragestellung, wie das sein kann und was wir dagegen tun können, dass Menschen sich freiwillig in einem Kühlraum eines LKW in einer Fähre verstecken, sogar noch Geld dafür bezahlen müssen vom Hals zu halten, beginnt der Artikel mit der Einordnung: Schleuserkriminalität.

Damals, im November 2021, vor einem knappen Jahr. Einziges medial präsentes Thema in dem Zeitraum: Corona.

Die Menschen auf dem Boot haben noch Hilferufe gesendet, jedoch wurde die Verantwortung zu helfen immer dem anderen Land zugeschoben.

Bright lights and dark corners, it’s night embark on us
Refugees running wild Wyclef with a Sig Sauer
Nothing to lose, I was starving from the start
Now the same cat drive in Jaguars

Amsterdam, Rick Ross

Calais Refugee Hotspot France

Calais liegt 300 Kilometer nördlich von Paris und mit Dunkurque auf dem bedeutendsten Korridor der Flüchtlingsbewegung aus der EU nach Großbrittannien.

Die englische Hafenstadt Dover ist vom Strand in Calais nur 30 Kilometer entfernt und mit bloßem Auge sichtbar. Flüchtlinge kommen nach Calais, um von hier aus englisches Festland zu erreichen. Entweder, weil ihr Asylantrag in einem EU-Staat angelehnt worden ist, oder weil sie sich n England bessere Lebensbedingungen erhoffen.

Calais liegt 300 km nördlich von Paris. Über den Ärmelkanal nach Dover sind es etwa 35 km (Quelle: Google Maps)

Jungle

2015 erhielt Calais aufgrund eines großen inoffiziellen Flüchtlingscamps, dem sogenannten Dschungel von Calais internationale Aufmerksamkeit. Mehr als 9000 Menschen lebten dort in einem Zeltlager und warteten auf eine Möglichkeit zur Weiterreise nach Großbritannien. Ende 2016 wurde das Camp komplett geräumt und dann geschlossen, die Menschen haben sich daraufhin in kleinere verstreute Camps verteilt.

Rund um Calais und Dunkerque bildeten sich neue Camps, in denen Flüchtlinge sich ansiedeln. Es ist immer wieder das selbe Spiel: neue Camps entstehen, werden nach kurzer Zeit wieder von der Polizei aufgelöst und die Flüchtlinge vertrieben, die sich dann wieder woanders ansiedeln. Fünf Jahre nachdem die französische Polizei das große Camp von Calais geräumt hat, leben noch immer mehr als 1000 Menschen in Lagern rund um Calais.

Die Strategie der Regierungen: Abschreckung, Abschreckung, Abschreckung

Broschüre über Polizeigewalt, im Zusammenhang mit dem Versuch die Flüchtlingsbewegung unter Kontrolle zu bekommen

Die Regierungen und Behörden sind angesichts der Not der Geflüchteten und deren damit verbundenen Bereitschaft, sich trotz der teils menschenunwürdigen Lebensverhältnisse auf die Reise Richtung UK zu machen machtlos dem Flüchtlingsstrom gegenüber.

Deshalb gilt wie im Mittelmeer die Devise: Abschreckung, Abschreckung, Abschreckung. Sie machen es den Geflüchteten so unangenehm wie möglich, hier in Calais zu bleiben und weiterzukommen.

Mit Polizeigewalt und täglichen Räumungen von Camps, bei denen persönliche Gegenstände wie Zelte und Schlafsäcke beschlagnahmt werden. Mit Stacheldrahtzäunen rund um den Hafen, die Autobahn und Zuggleise, die von der englischen Regierung mitfinaziert werden.

Und indem sie die Arbeit der sogenannten „Associations“ blockieren, die die Flüchtlingen mit Essen, warmer Kleidung, Unterkunft, medizinischer Versorgung und vielem Weiteren unterstützen.

Das alles zeigt nur, wie hilflos die Regierung, die Stadt, die Behörden und die Polizei dem Flüchtlingsstrom gegenüber stehen.

Kajak, Schlauchboot oder Trainsurfing

Um nach England zu kommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

    • Über den Ärmelkanal übers Meer
        • Fähre (schwierig wegen Zollkontrollen)

        • Frachter

        • Schlauchboot (der häufigste Methode)

        • Kajak (sehr gefährlich)

    • Unter dem Ärmelkanal durch den Eurotunnel
        • 37 Kilometer zu Fuß durch den Eurotunnel

        • Auf, in, an einem Zug durch den Eurotunnel

        • In einem Lastwagen durch den Eurotunnel

        •  

Let’s talk about money

Meinen Informationen nach (natürlich ohne Gewähr, nur um sich ein Bild
machen zu können) kostete ein Platz in einem Schlauchboot von der Küste rund um Calais/Dunkerque im September 2022 etwa 3 000 Euro.

Zum Vergleich: ein Platz in einem Boot von Nordafrika nach Europa kostet zum selben Zeitpunkt etwa 8 000-12 000 Euro. Je nachdem, wie gefährlich und unangenehm die Reise ist. 50-100 Euro extra für eine Rettungsweste.

Von der Türkei nach Berlin war der Preis vor fünf Jahren etwa 2500 Euro.

Um sich die Lage klar zu machen

Aufgrund der Situation in und rund um Calais werden in den Sportgeschäften weder Rettungswesten, noch Schlauchboote oder Kajaks verkauft.

Ich habe von einer Story gehört, bei der ein Geflüchteter alleine mit einem Kajak und Paddel den Ärmelkanal überquert hat. Und seinen Trip für Youtube und TikTok filmte. Die Grenzpolizei hat ganz schön überrascht aus der Wäsche geschaut, als sie ihn am Strand von England ankommen sahen. Das krasse an der Geschichte ist, dass die Associations versucht haben, sie unten zu halten, damit so wenig andere wie möglich das selbe versuchen, weil es unglaublich gefährlich ist und vielleicht einer von zehn schafft.

Infoblatt für die Überfahrt mit dem Boot

SNCF (Französische Eisenbahngesellschaft)

87654321protect your life titel

Money, Money, Money

Auch wenn die meisten Geflüchteten in ihren Heimatländern nicht aus armen Familien kommen, weil sie sich den Start der Reise, von Afrika oder dem Nahen Osten nach Europa sonst gar nicht leisten könnten, dauert der Weg sehr lange und alles kostet irgendwo auch Geld.

Eine kurze Sache bevor es weitergeht: auch wenn unter den Geflüchteten ungebildete Leute sind, liegt es nicht am Bildungsgrad, dass sie um Geld zu verdienen kriminell werden. Viele von Ihnen haben ein abgeschlossenes Studium und als Doktoren oder Professoren gearbeitet, bevor sie geflohen sind.

Der Iran zum Beispiel ist eine der ältesten Zivilistation der Welt und gilt als Wiege der Wissenschaft und Technologie. Dort wurden schon Sterne kartografiert und Algebra in der Mathematik entdeckt, als die Germanen noch mit Äxten auf Baumscheiben geworfen und danach im Wirtshaus betrunken rumgegrölt und Frauen begrabscht haben.

So far, let’s continue..

Kurze Mathematikstunde für Beginner:

Wenig Geld + kein Aufenthaltstitel (keine Arbeitserlaubnis) + schlechte Sprachkenntnisse + viel Zeit

= großer Bedarf an Einnahmequellen am Rande des Gesetztes.

Dazu zählen vorallem:

 

Schlepper

Auch wenn es zum Teil grauenvoll zugeht, hilft es nichts, Schlepperbanden zu kriminalisieren. Je mehr die Regierungen und Behörden versuchen, den legalen Weg für Flüchtlinge nach England zu sperren, umso mehr sind Geflüchtete darauf angewiesen, sich an Schlepperbanden zu wenden, wenn sie sich auf den Weg machen wollen. Und umso grausamer kann die Reise werden.

Alle diese Schleuser haben uns dasselbe gesagt: „Ihr sorgt dafür, dass wir Arbeit haben. Wenn ihr euch so verhaltet, verdiene ich nur noch mehr. Ihr schließt eure Grenzen und investiert nur in Abwehr. Ihr habt Frontex? Das alles bringt mehr Geld für mich, für meine Organisation, für mein Netzwerk“

Zitat aus dem Artikel „Das Geschäft der Schlepper: Kriminelle Reiseagenturen nach Europa“ von Deutschlandfunkkultur

„Also, theoretisch ist es falsch, so einen Beruf zu haben und illegal“, sagt Omar. „Aber praktisch gesehen tue ich Gutes. Ich helfe den Menschen, die seit sechs Jahren leiden, aus Syrien herauszukommen und friedlich zu leben, bis dieser Krieg vorbei ist.“

Zitat aus dem Artikel „Schlepperbanden: So funktioniert das Milliardengeschäft mit Menschenschmuggel“ FOCUS