tomorrowonmymind

No, you can't always get what you want, you can't always get what you want, you can't always get what you want, but if you try sometime you'll find, you get what you need

Übers Wasser laufen

Ich bin kein ausschließlich christlicher Mensch. Ich finde all dieses Schubladendenken von Spiritualität schwierig. Ich sage bewusst Spiritualität und nicht Gott, weil auch dort schon wieder eine Spaltung in Religionen mit einem, mehreren oder gar keinen Göttern stattfinden kann.

Ich glaube nicht, dass es förderlich ist für den Nutzen, den die Menschen aus den Religionen ziehen können, wenn man sich auf die Unterschiede, sei es das Christentum aufgeteilt in Katholiken, Evangelisten oder Orthodoxe oder im Islam die Spaltung in Sunniten und Shiiten fokussiert. Zumal diese ja von Menschen über Jahrhunderte gemacht wurden. Sie sorgt dafür, dass es am Ende nicht mehr um die Werte der Religion, sondern um Gruppierungen, die sich nebeneinander, oft aber auch feindlich gegenüber stehen.

Aber es gibt in der Bibel viele stellen, aus denen ich eine Erkenntnis ziehen konnte bzw. die ich dann verstanden habe, wenn ich die Erkenntnis im Inneren gemacht habe.

Zum Beispiel die Stelle, an der Jesus übers Wasser geht. Es ist eine Metapher für Mut und – ich kenne kein passendes deutsches Wort dafür, weil Glaube für mich einen Glaube an Gott assoziert – Faith. Oder Vertrauen. Im Nichts gehalten zu werden und auf eine Treppenstufe aus dem nichts aufzusteigen. Und eben nicht nur gehalten zu werden, sondern sogar auf die nächste Stufe zu bekommen. Es ist das selbe Gefühl, auf einer Welle zu reiten und sich auf seinen Körper zu verlassen, der instinktiv die richtigen Bewegungen macht.

Und das, was uns weiterbringt und besser werden lässt. Denn es ist ein Wunder, dass wir etwas lernen können, was wir vorher nicht konnten. Ich konnte nicht Skateboard fahren. Und trotzdem stand ich irgendwann einmal drauf und bin freihändig die Straße entlang gefahren. Ich konnte keine Halfpipe runter fahren. Irgendwann habe ich es versucht, und es hat geklappt. Vertrauen ist der Grundnährboden, auf dem Entwicklung stattfindet. Es bedeutet, sich auf das Leben einzulassen.

Und das „spirituelle“ oder „göttliche“ daran ist, dass es uns ermöglicht, neue Horizonte zu erkennen. Es macht uns zu Entdeckern. Und ent-deckt werden kann nur, was uns vorher verborgen war.

„Ich suche nicht – ich finde.
Suchen – das ist das Ausgehen von alten Beständen und ein Finden Wollen von bereits Bekanntem im Neuen.

Finden – das ist das völlig Neue!
Das Neue auch in der Bewegung.

Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer!

Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewissheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht – menschlich beschränkt und eingeengt – das Ziel bestimmen.


Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen: Das ist das Wesenhaft des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassen doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.“

Pablo Picasso