tomorrowonmymind

No, you can't always get what you want, you can't always get what you want, you can't always get what you want, but if you try sometime you'll find, you get what you need

Jeder kann sich „inspirieren“ lassen

Prisma: Foto von AliExpress, no joke

Zu Beginn des Textes: „Wort Gottes“ kann man genauso gut mit (persönlicher) „Wahrheit“ oder „Weisheit“ oder eigenen Meinungen über das Leben gleichstellen, für alle, die sonst gleich aussteigen.

Es hat immer schon gestört, dass die Bibel ein abgeschlossenes Werk sein sollte. Das selbe gilt auch für andere Bücher, wie die Tora oder den Koran. Alle haben gemeinsam, dass sie eine Sammlung sind von Erzählungen von Menschen, die sich von Gott inspirieren lassen haben zu ihren Ansichten über Gott und die Welt.

Nur impliziert das auch, dass, wenn man diese Bücher als geschlossene Werke betrachtet, diese Menschen die einzigen sind oder waren, die „das Wort Gottes“ empfangen und auslegen können. Damit bildet sich in den Religionen eine Dreiklassengesellschaft, Gott ausgenommen.

Nämlich von erstens den Propheten, die inspiriert von Gott ihre Ansichten über die Welt und die Menschen niedergeschrieben haben, zu zweitens den Pfarrern, Rabbinern und Imamen, die die Worte „richtig“ lesen, auslegen und an die Leute weiter geben, zu drittens den „einfachen“ Menschen, die diese Worte empfangen und anwenden sollen.

Nicht umsonst wurde im Mittelalter dem „einfachen Volk“ verboten, die Bibel selbst zu lesen und sich ein „eigenes Bild“ zu machen. Ein eigenes Bild vom schon zweiten Bild, nämlich des Bildes des Propheten, sei dazugesagt.

Das biblische Wissen sollte somit den „Laien“ nur über die Predigt vermittelt und in den „richtigen Kontext“ gebracht werden, um so die Deutungshoheit der Kirche aufrecht zu erhalten.

Das soll kein Plädoyer dafür werden, dass jeder selbst die Bibel lesen und sich ein eigenes Bild machen sollen, denn das wäre ja, als würde man außerhalb einer Kiste denken, nur um dann in der nächstgrößeren Kiste zu stecken.

Rene Schute: „Think outside the box“

Es geht darum, mit dem Hierarchiegedanke zwischen den Menschen zu brechen, die sich auf die Fahne schreiben die einzigen zu sein, die „die Weisheit“ empfangen haben. Und Darum, dass wir uns alle unsere persönlichen Ansichten von Gott und der Welt bilden können, und keine „Erziehungsbevollmächtigten“ zwischen Gott und uns stehen sollten, wenn wir nicht darum gebeten (haha) haben.

„Die Wahrheit flieht immer vor dem, der sie für sich beansprucht.“

Müsste meins sein, dachte ich hätte es irgendwo gelesen, aber hab keinen Urheber über Google gefunden.

Dass heißt nicht, dass wir sie nicht in Anspruch nehmen können, wenn wir das wollen. Oder es gut ist, wenn es Kirchen, Moscheen und Synagogen gibt, wo man sich Rat suchen kann. Man kann dann ja (hoffentlich) immer noch entscheiden, ob man den Rat annimmt oder nicht.

Aber sobald sich Menschen oder Organisationen auf die Fahnen schreiben, die zu sein, die die Wahrheit „gepachtet“ haben, ist es immer mit einem Anspruch auf Macht oder Geld oder Sex zurückzuführen (bei der katholischen Kirche wäre es ja gar nicht mal so schlimm, wenn es beim Sex dabei auf Augenhöhe zuginge).

„Ich suche Gott in der Scientologykirche
Fürs Paradies wollen die 100 € im Monat
Vielleicht geh ich lieber zu den Zeugen Jehovas“

Song von K.I.Z. – Preisschild

Künstler als gegenwärtige Propheten

Die katholische Kirche hat Künstler nicht umsonst gehasst, verfolgt und zum Teil umgebracht. Den echte Künstler waren und sind was: sie sind inspiriert. Mit dem Spirit, den eigentlich nur die alten Propheten gespürt haben dürfen. Und deren Ergebnis nur von den Pfarrern, Bischöfen und Päpsten ausgelegt werden darf.

Aber nicht nur die katholische Kirche, sondern jede Form von Machtregimen und Diktaturen hat immer als Feinde die Künstler und Künstlerinnen.

Mit Künstlern meine ich Menschen, die wirklich inspiriert sind, dass heißt nichts zwischen Ihnen und ihren Werken steht ausser vielleicht Werkzeuge. Denn nur dann kommt es von innen.

Künstler sind in ihrem Schaffen unabhängig und wollen sich nicht vorschreiben lassen, wie ihre Werke aussehen, sich lesen oder sich anhören sollen. Und sie sind eine Gefahr erster Prio, weil sie auch andere Menschen bewegen können.

Die Frage nach „Was darf Kunst?“ die auch heute immer wieder gestellt wird sollte immer auch die Frage aufwerfen, wer sich das Recht dabei rausnimmt das zu entscheiden und aus welchen Motiven.

Der Koran wird gesungen

Übrigens wird der Koran im Gegensatz zu Bibel gesungen. Damit erfährt man nicht nur die Worte und den „sachlichen“ Inhalt eines Texts, sondern man fühlt den Rhythmus, die Melodie, den „Spirit“. Es macht „das Wort Gottes“ dreidimensionaler, nicht nur schwarz und weiß, sondern bunt wie Tageslicht aus einem Prisma.

„Im Herzen eines Menschen, der jemanden hört, der den Koran singt – der ihn gut singt – kommen Zartgefühl und Reue zum Vorschein, gleich wie lasterhaft und hartherzig dieser Mensch ist. Diese Reue bleibt – und der Mensch gerät in einen Zustand der Glückseligkeit.“

(Mostamli Bohari, persischer Gelehrter des 11. Jahrhunderts)

aus dem Artikel