Keine Ahnung wo ich hier gelandet bin, aber ich glaub das ist so ein Münchner – was würden Journalisten jetzt schreiben was keiner in echt sagen würde – ah genau: „Szeneviertel“.
Hohe Häuser, Sichtbeton, große Fensterfronten und Siebträgermaschinen. Ich bin im Werksviertel südlich des Ostbahnhofs. Für 25 Euro habe ich mir eine Nacht lang ein Sechsbettzimmer mit bis auf ein paar Ausnahmen Englisch sprechenden jungen Leuten geteilt.
Ich bin zu alt für den Scheiß. Als ich das Zimmer betrat, saß eine junge Frau aus Amerika auf dem Bett und begrüßte mich: „Hi!“
„Hi!“ sagte ich erstaunt. „Are men and women together?“
„Yes.“ antwortete sie „You got a problem with that?“
„No.“ sagte ich schnell. „No problem.“
Ich mag es überhaupt nicht. Ich checke diese „“Wir-sind-alle-gleich-Propaganda“ nicht. Wir sind nicht gleich. Da sind doch eh nur Hochbetten. Da kann man doch eh nicht richtig bumsen. Wieso macht ihr es dann nicht gleich getrennt 🤷🏻♂️? Dann kann man wenigstens pupsen.
Das einzige, was mich in solchen Hipsterschuppen hält ist der Kaffee und das schnelle WLAN. Gebucht hatte ich es nur, weil es das günstigste war und es war auch alles top, aber unter diesen Woke-People, die auch dann Englisch sprechen, wenn sie genau wissen, dass ich Deutscher bin fühlte ich mich nicht wohl. Die Musik unten beim Frühstück war viel zu laut. Alles war zu cool. Zu easy.
„Nicht das Monster rauslassen!“
Dwight McCarthy in Sin City 2 „A Dame To Kill For“, kranke Filme, Frank Miller richtig geiler Autor














Also schnappte ich mir unten einen Kaffee und machte so schnell wie möglich die Biege. Bei Yorma’s am Ostbahnhof freute mich über eine schlecht gelaunte Bedienung auf Mindestlohn, bei der es nur eine Milch zur Auswahl gab.
Ich hab‘ nichts gegen „Hipster“, ich bin ja äußerlich selbst vielleicht auch einer. Aber wenn ich Frauen und Männer nicht mehr unterscheiden kann bin ich einfach raus. Da trink ich meinen Kaffee lieber am Bahnhof und quatsch mit der Klofrau von „Rail & Fresh“.
Mittlerweile muss ich auch wirklich sagen, dass ich was das angeht ziemlich konservativ bin. Nicht spießig. Ganz sicher nicht. Aber konservativ.
Vielleicht kommt daher auch meine Sympathie für den Nahen Osten und deren Bedürfnis, an alten Werten festzuhalten (unter alten Werten verstehe ich nicht, dass man Frauen schlagen darf und ihnen das Arbeiten verbietet. Auch wenn das das einzige ist, was man in den Nachrichten dazu hört.)
Zurück in die Vergangenheit
Aber woher kam dieser Hass? Wieso war ich so empfindlich? War ich einfach nur enttäuscht, weil ich keinen Anschluss fand? Weil ich kein Teil davon war? Ich bin aus der selben Generation und doch fühle ich mich dieser Millenials-Welt nicht zugehörig. Als wär ich vor 2000 Jahren in eine Zeitmaschine gestiegen und in der falschen Epoche rausgekommen.
Fuck it. Vielleicht lag es an mir. Vielleicht auch nicht. Fakt war: ich mochte München nicht. Bis auf das Bahnhofsviertel war mir hier alles zu sauber. Sobald ich am Hauptbahnhof in den Zug nach Lindau stieg, wurde meine Laune wieder besser.

