Ich könnte genug schreiben. Genug Schlimmes. Aber ändert es etwas? Vielleicht ändert es insofern etwas, als dass ich endlich frei werde von dem Scheiß.
Jedes Mal wenn ich die Wohnungstür wieder zu mache holt es mich ein. Ich wurde halbgar in diese Welt katapultiert. Manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt hier her gehöre. Zumindest in meiner Heimat habe ich nicht das Gefühl angekommen zu sein.
Manchmal will ich am liebsten einfach weg. Weg in eine andere Welt. Mit sandiger Luft. Frischer Meeresluft und das Rauschen der Wellen in den Ohren. Oh, wäre das schön. Raus aus dieser dunstigen Psychopharmaka-Stadt, in der alles langsam und langweilig sein soll, weil es sonst die Totenstille stört.
Oft wäre ich in der Gemeinderatssitzung einfach aufgesprungen und hätte gefragt: „Mal ganz ehrlich. Ist ja alles schön und gut hier, ich nehmt euren Job richtig ernst. Aber hat hier irgendeiner von euch Spaß am Leben?“
So wirklich Spaß am Leben hat hier doch keiner. Es ist auch nicht erwünscht. Wieso werden Rapper gehatet und von den „Erwachsenen“ verteufelt. Nicht weil sie Hurensohn und Fick deine Mutter sagen. Nein. In erster Linie werden sie gehatet, weil sie real sind. Und weil es sie nicht interessiert was andere von ihrer Meinung halten und ob man Schwuchtel sagen darf oder nicht.
Viele der älteren Generation haben nie wirklich eine Pubertät durchgemacht und sind einfach nur kleine Jungs und kleine Mädchen Mitte 50, die wenn es hart auf hart kommt doch auf Nummer sicher gehen. Ein bisschen cool kann man sein – aber nicht zu cool, sonst kann es unangenehm werden. Der Leasing-Vertrag läuft noch und das Haus ist noch nicht abgezahlt!
Politik fickt meinen Kopf. Es ist ein Dilemma. Du willst da mitreden und dann merkst du, dass sich in dieser Welt alles nur um wer schüttelt welche Hände (nachdem er ihr einen runtergeholt hat) dreht. Intrigen. Absicherungen. Bis am Ende keiner mehr weiß wofür er eigentlich steht und seine Meinung ein Wischiwaschi-Abklatsch des Parteiprogramms geworden ist, in der er Zuflucht gefunden hat.
Wieso soll ich mir das antun? Es ist schlecht für mein Herz. Schlecht für mein Sexleben. Schlecht für meine Freundschaften. Wenn ich mir treu bleibe und nicht käuflich werde ist es auch schlecht für meinen Geldbeutel.
Beitragsbild: Alone I, 2008. Acrílico sobre lienzo, 80 x 40 cm, Claudio Capellini
