tomorrowonmymind

No, you can't always get what you want, you can't always get what you want, you can't always get what you want, but if you try sometime you'll find, you get what you need

In This World We Are Thrown

Riders on the storm
Riders on the storm
Into this house, we’re born
Into this world, we’re thrown

Like a dog without a bone
An actor out on loan
Riders on the storm

Was hab ich denn? Wenn alles geht. Wenn mir alles zwischen den Fingern zerrinnt. Was bleibt mir?

Ich brauche jemanden zum Anlehnen. Einfach jemanden, an dessen Schulter ich mich anlehen kann. Dessen Herz ich höre. Auf den Verlass ist, in einer Welt in der auf nichts Verlass ist. In der wir geradezu ignorant in den Kollaps rennen. Weil wenn wir es nicht tun würden. Ja, was wäre dann? Würden wir als Aussteiger am Waldrand leben? Das geht auch nicht so einfach in Deutschland, dafür braucht man eine Genemigung. Wald ist kein Wohngebiet.

Ich brauche einfach diese Schulter. Dann komm ich wieder klar.

Was ich jedenfalls nicht brauche ist noch ein fucking Buch, wieso Kapitalismus nicht funktioniert oder noch eine fucking Rede, in der wir der Illusion unterliegen sollen Windräder würden unseren Planeten retten. Es wird nicht passieren. Diese Welt wird sich ändern. Sie wird gefährlicher. Sie wird unberechenbarer. Sie wird früher oder später kollabieren und wir können uns nur wünschen, dass es der Klimawandel sein wird und kein Atomkrieg, denn dann haben wir zumindest noch ein paar Jahrzehnte um uns an daran zu gewöhnen.

Hätten wir während der Industrialisierung gecheckt, dass das früher oder
später dazu führt, dass wir keine Luft mehr zum Atmen haben werden und wären dann
umgekehrt, dann hätten wir das Ruder rumgerissen. Würden vielleicht sogar in kleinen Gemeinschaften wohnen und unser Land bewirtschaften. Aber wir wollten teilhaben an der Faszination Technik. An der Faszination Macht. Macht über die Natur.

Vielleicht liegt es auch einfach an Afrika. Bevor ich dort war, hatte ich diese krasse Ablehnung der europäischen Arbeitskultur nicht. Im Gegenteil – ich war ein Musterschüler in was „schlau sein“ und den „Erwachsenen“ gefallen angeht. Seit ich dort war funktioniere ich hier nicht mehr. Ich verstehe nicht mehr, was ich von einem größeren Fernseher habe und wieso ich mich dafür anstrengen soll. Ich hab doch zu Essen und ein Bett. Was brauche ich mehr?

Wieso der ganze Scheiß? Das ganze Theater? Wieso machen wir uns alle zu Tieren im Zoo? Die eine arbeitet im Bäckerei-Gehege. Der andere im Friseur-Gehege. Nur abends wechseln sie mal in ihr Schlafgehege. Vielleicht ist es ja gut, dass der ganze Zoo zusammenbricht. So wie in „Hurra die Welt geht unter“. Nur bitte kein Krieg. Wirklich, wenn das alles zusammenbricht. Ich denke ich komme klar. Aber bitte kein Krieg. Ich mag kein Blut. Ich mag keine Gewalt. Ich mag keine Soldaten.

Wenn es soweit ist, dann werde ich zu euch sagen: „Hab ich’s euch nicht gesagt? Und ihr habt einfach weitergemacht als hättet ihr Scheuklappen auf. Scheuklappen, Ohrenschützer und Raumanzüge mit Klimautomatik. Denn anders kann ich nicht verstehen wie man A nicht sehen kann, dass Wälder brennen, B nicht hören kann dass die Vögel nicht mehr singen und C nicht spüren kann, dass man an Weihnachten mit Pullover nicht mehr friert.

Oder ich wünsch‘ mir, dass das System kollabiert, weil ich nicht damit klarkomme. Vielleicht ist es auch eine Mischung. Ich liebe auch diesen Apokalypse-Spirit. Eine Gruppe zufällig zusammengewürfelter Leute, die sich mit einem Pick-Up gemeinsam einen Weg durch die Zombiewelt bahnen. Im Radio läuft K.I.Z., dazwischen immer wieder Nachrichten im nüchternen Deutschlandfunk-Stil von einem unerschöpflichen Moderator, der im Glauben dass alles wieder gut wird aus seinem Bunker sendet.

Klingt nach einer geilen Story. Ob das in echt so geil wäre weiß ich aber nicht. Jedenfalls fühlt sich 2023 alles andere als nach Aufschwung an. Man kann ja so ein paar Sachen auch mit einer Therapeutin besprechen. Aber ändert die etwas an der Lage in der Welt. Und wer sind eigentlich die Verrückten dann?

Die, die ignorant weitermachen wie in Zeiten als man sich bei Hart aber Fair noch darüber unterhalten hat ob Baller-Spiele süchtig machen? Oder die, die ausrasten, weil sie nicht checken wie man sich jetzt noch einen Webergrill vor die Hütte stellen kann?

Ich brauche Schlaf. Ich geh ins Bett. Ich mache das Licht aus. Morgen kommt ein neuer Himmel.

Gott gib mir die Kraft die Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Die Gelassenheit die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Weisheit den Unterschied zu erkennen.

Serenity Prayer

Beitragsbild: Mira, 2004. Óleo sobre lienzo, 92 x 116 cm, von Claudio Capellini