tomorrowonmymind

No, you can't always get what you want, you can't always get what you want, you can't always get what you want, but if you try sometime you'll find, you get what you need

Wald

Gibt es etwas zu berichten? Ich glaube nicht. Seit ich in Tübingen bin ist alles ruhiger geworden. Ich hab ein paar Tage gebraucht, um wirklich anzukommen. Jetzt sind meine Gedanken heruntergefahren und ich kann meinem Bauch beim Verdauen zuhören. I like. Andererseits fehlt mir der Kick. Mich lebendig zu fühlen. Es hat immer zwei Seiten. Das Leben ist ein auf und ab.

Ich weiß gar nicht wie das geht: eine Beziehung führen. Für mich hieß es immer nur weg. Weg von Beziehung. Weg von meiner Familie. Raus aus dem Haus. Mittlerweile beginne ich eine Beziehung mit mir selbst zu führen. Ich verlasse die Gruppe, um mit mir zu sein. Ich komme wieder zurück zum roten Faden. Ich verliere mich nicht mehr in der Suche. Das kannte ich nicht.

Seit ich in Frankreich war atme ich wieder von den Füßen bis zum Kopf. Klar, manchmal muss ich justieren. Die Biege machen. Dann geht es aber wieder. Ich weiß selbst am besten, was ich brauche und was relevant ist. Sobald Leute anfangen schlaue Sachen zu sagen bin ich weg. Gehe in mein Zimmer. Atme. Höre Musik.

Der Wald ist mein Lehrer. Er redet mir nicht rein. Er lässt mich mich ausbreiten. Mich ihn einatmen. Er verbindet sich mit dem Wald in mir. Den Blutgefäßen, Aterien, Ateriolen. Von Wald zu Wald. Bis in die letzte Zelle bringt es den Sauerstoff und all‘ das ohne, dass ich etwas tun muss außer ihn zu atmen. Größer zu werden. Weiter zu werden. Und wieder zu mir zu kommen.

Nicht den Haken suchen. Den Anker. Ich werde selbst zum Baum. Unabhängig. Alleinstehend. Manchmal lehne ich mich an und lasse mich ein. Früher oder später ist es dann aber wieder an der Zeit zu gehen. Ich hoffe irgendwann finde ich einen Ort, an dem ich bleibe. Ein Haus, in dem ich wohne. Mit einer Frau, die ich liebe. Bis dahin atme ich und stehe. Und gehe. Die Zeit wird es bringen. Die Geschichte steht geschrieben. So steht es im Koran. Ich glaube daran.

29 Jahre sind eine lange Zeit. Wie ein Puzzle setze ich mich zusammen. Aus alt mach neu. Hier ein Stück, ah, nochmal zur Seite, ausruhen, so jetzt ist die Zeit für das nächste Stück. Es passiert. Wie von selbst. Doch manchmal kommen wieder diese Ausflüchte. Manchmal brauche ich es mich treiben zu lassen. Einfach ins Ungewisse. Obwohl das andere auch ungewiss ist aber davon weiß ich, dass es mich zusammensetzt.

Manchmal gehe ich mich trotzdem zerstreuen. Ins Außen. Ich brauche es. Mich zu zeigen in dieser Welt und dahin gehen, wo ich mich lebendig fühle. Nicht auf die Tiefe, sondern auf die jugendliche Art. Grenzen austesten. Frei sein. Um dann wieder zurück zu kommen zu mir und dem Wald.